Mbote mingi na Allemagne! Sango na bino? (Viele Grüße nach Deutschland, wie geht es euch?) Meine bisherigen Erlebnisse reichen locker aus, um ein Buch darüber zu schreiben, von daher weiß ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Wir befinden uns in der Stadt Aru, etwa 15km entfernt von der Grenze zu Uganda im Nordosten der D.R Kongo. Die Gegend ist wellig, immer gleich bewachsen und damit eher reizarm. Immerhin liegt Aru auf 1500m Höhe über dem Meeresspiegel. Im Moment beginnt die Trockenzeit. Nun wird es ca. 2 Monate lang sehr warm ( bis knapp 40°), trocken und nachts auch ziemlich kühl werden. In der Regenzeit sind die Temperaturen angenehmer (um die 25°), gleichmäßiger und meistens abends gibt es einen kurzen, aber kräftigen Schauer. Wir leben hier zu acht auf einer recht kleinen Station. Unter uns sind zwei Afrikaner, die mit uns sechs Deutschen hier zusammen wohnen. Wir sind eine bunt gemischte Truppe. Vom Elektriker, Tischler, Optiker, Kindergärtner, Abiturienten, bis zum Kfz`ler und Metallbauer ist hier alles vertreten, sodass wir uns hervorragend gegenseitig ergänzen. Wir haben Drei-Mann-Zimmer, ich wohne mit zwei anderen Deutschen zusammen. Unsere Tage laufen meistens nach dem selben Schema ab. Morgens um acht beginnt die Arbeit – offiziell zumindest. Vor halb neun geht es selten los und dann wartet man auch meistens nur darauf, dass nach der Chaipause um zehn der Generator anläuft. Wir haben hier während der Arbeitszeit nur vier Stunden Strom, was die Arbeit um einiges komplizierter macht und man sich die anfallenden Arbeiten gut einteilen muss. So kann man eben nur das erledigen, was auch ohne Strom geht. Von zehn bis halb elf sitzen wir dann beim Tee und Erdnüssen zusammen mit den Kongos, die hier auf der Station angestellt sind. Dann geht endlich unser Generator an, der immerhin von einem Robur LD, Bj. `76, angetrieben wird. Dieser lädt auch das Powerpack aus vier großen Batterien, damit wir im Teamhaus abends Strom haben, mit dem wir allerdings haushalten müssen, sonst sitzt man schnell mal im Dunkeln. In den zwei Stunden bis zum Mittag muss man dann eben so viel wie möglich schaffen, damit man am Ende des Tages überhaupt ein Ergebnis zustande bringt. Aber das ist eh ein Thema für sich, denn Afrikaner und produktives Arbeiten schließen sich gegenseitig aus. Hier wechselt man zu viert einen Anlasser (zwei schrauben, einer trägt die Verantwortung und der vierte schaut zu), zwischendurch kommt mal einer aus dem Dorf und hält ein Pläuschchen. Die Arbeit steht grundsätzlich hinten an; was heute nicht wird, wird eben vielleicht übermorgen fertig, weil es am nächsten Tag garantiert auch nicht zu Ende gebracht wird. In der Mittagspause kann man sich dann vom Stress erholen, dazu hat man immerhin von 12.30 bis 14.00 Uhr Zeit. Wir essen hier alle gemeinsam, Angestellte und Teammitglieder. Es gibt „afrikanisches Essen“, was durchaus gut schmeckt, aber das ist ein eigenes Thema. Nach dem Mittag haben wir nochmal zwei Stunden Strom, bis 16.00. Die Kongos beginnen dann mit dem Aufräumen, wobei man anerkennen muss, dass die Werkstatt abends wirklich immer blitzsauber ist. Nachher bereitet man sich auf den Feierabend um 16.30 vor, der im Gegensatz zum Arbeitsbeginn auch pünktlich eingehalten wird. Am Nachmittag kommt dann unsere Haushälterin, die für uns auch abends kocht und unsere Wohnung sauber hält (wobei aufgrund der generell staubigen Luft und Unmengen an Insekten „sauber“ relativ zu betrachten ist). Ja, so sieht ein typischer Arbeitstag aus. Manchmal fährt man auch in die nächste Stadt um einzukaufen. Arua liegt aber in Uganda, also muss man immer über die Grenze, denn im Kongo kriegt man fast nichts, was man als Europäer so zum leben braucht. Überhaupt ist das Leben nicht unbedingt so billig wie man es sich vorstellt. Die meisten Marketenderwaren kosten sogar etwas mehr als in Deutschland. Ein einfaches Duschgel kriegt man für 2,50€, eine kleine Tafel Schokolade 1,50€ und selbst das Benzin kostet einen Euro pro Liter. Für afrikanische Verhältnisse ist das ein Vermögen. Aus dem Grund wird immer nur so viel getankt, wie es nötig ist. Als Reserve haben die Leute hier immer eine 0,5er PET-Flasche dabei. Ein afrikanischer Arbeiter verdient etwa 100.000 Uganda-Schilling (4000 Schilling = 1€) im Monat. Die Afrikaner sind definitiv nicht dumm, aber leider in ihrer Armut gefangen, sodass es die Leute hier echt schwer haben etwas aus ihrem Leben zu machen. Das Zeug dazu hätten sie auf jeden Fall, das sieht man schon an ihrer Sprachbegabung. Hier beherrscht niemand weniger als drei bis vier Sprachen. Dazu gehören Französisch als Amtssprache, in unserer Gegend Lingala und Lukbara als Landessprache (Lingala lerne ich im Moment) und dazu noch die jeweilige Stammessprache. In der Schule, die hier nicht vom Staat getragen wird, sondern meistens von der Kirche, wird auch Englisch gelehrt. Noch ein paar Worte zu unserer Ausrüstung. In der Werkstatt kann man eine ganze Menge machen. Wir haben eine große Drehbank und Fräse, mehrere Schweißgeräte, eine große Bügelsäge, eine Hebebühne und Grube, und natürlich alle sonstigen nötigen und wichtigen Werkzeuge. Für allgemeine elektrische Arbeiten gibt es auch eine kleine separate Elektrowerkstatt. Als ich hier in der Werkstatt anfing, habe ich erst mal eine vernünftige Grundausstattung mit neuen Werkzeugen bekommen... Unser Fuhrpark besteht aus 4 Unimogs, 4 G-Benzen (240GD und 300GD), einem Traktor und einer Mercedes 609D Pritsche und einem kleinem Mercedes-Kipper. Grundsätzlich haben wir genug mit unseren eigenen Fahrzeugen zu tun, machen aber auch mal Fahrzeuge von Privatpersonen wieder ganz. In den letzten Tagen habe ich den Spriegelaufbau der Pritsche von Grund auf instandgesetzt. Hier gibt es kaum neues Material, sodass man aus den vorhandenen Materialresten etwas neues zaubern muss. Aber die Arbeit macht Spaß, vor allem weil niemand mit der Uhr hinter einem steht und man hier eigenverantwortlich und selbst entscheidend arbeiten kann. Das einschneidendste Erlebnis hatte ich letztes Wochenende. Einer unserer verantwortlichen Afrikaner fragte mich, ob ich mit auf einen Kurzmissionseinsatz fahren will. Natürlich sagt man zu und so kam ich in den Genuss des wirklich afrikanischen Lebens. Der Unimog wurde mit der kompletten Musikausrüstung bepackt, sowie dem kompletten Chor der örtlichen Kirche – 25 Mann. Wenigstens saß ich hinter dem Lenkrad. Die Straßen hier sind eher üble Feldwege, aber mit dem Unimog machts natürlich nur um so mehr Spaß. Asphaltierte Straßen gibt’s hier gar nicht Die Brücken bestehen aus starken Baumstämmen, mit einer Fahrspur aus Brettern. Einer unserer Unimogs ist schon mal auf solch einer Brücke eingebrochen. Nachdem wir auf dem Kirchengelände ankamen, auf dem auch ein Schulgebäude steht, waren wir sofort umringt von gefühlt tausend Kindern, die mich anstarrten, als käme ich vom Mond. Weiße kennt man dort gar nicht (zumindest in der jüngeren Generation), und deshalb standen alle um mich rum, hatten aber teilweise eher Angst. Als ich jedoch einem mutigeren Kind die Hand gab und die anderen sahen, dass ich ungefährlich bin, streckten sich mir plötzlich unter Gejubel und Gebrüll alle Hände entgegen. Von da an zog ich immer eine Traube von Kindern hinter mir her. Übernachtet hatte ich während der zwei Nächte beim Pastor der örtlichen Kirche. Dieser ließ mich in seinem Bett schlafen, während er mit drei anderen Gästen auf zwei Matratzen auf dem Boden schlief. Als Weißer ist man immer der König und dementsprechend zuvorkommend wird man behandelt. Die Gast.freundschaft ist in der afrikanischen Kultur sehr stark verwurzelt. Das erlebte ich auch beim Essen; ich bekam immer als erster das (für afrikanische Verhältnisse) allerbeste Essen und saß neben dem Pastor am oberen Ende der „Tafel“. Es gab zu jeder Mahlzeit „Fufu“ - eine extrem zähe, klebrige Masse, deren Grundzutat aus der Maniokwurzel gewonnen wird und einfach mit Wasser gekocht wird. Es sieht aus wie Kleister, fühlt sich auch so an und schmeckt nach nichts, stopft aber umso mehr. Dazu wurde Fleisch und Fisch gereicht, allerdings kein Steak oder Filet. Die Fleischstücke sind komplett mit Knochen, Sehnen und Fett, der Fisch mit Kopf und Gräten. Das alles wird einfach nur mit Wasser gekocht und fertig ist die Mahlzeit für die höchsten Gäste. Es schmeckte... anders. Das Essen abzulehnen gilt als unhöflich, also muss man sich eben überwinden. Wenigsten hatte ich mein Outdoorbesteck dabei, denn hier wird mit den Fingern gegessen. In der Mittagspause mal eine ruhige Minute zu finden ist unmöglich, selbst als ich auf der Pritsche des Unimogs mit heruntergezogenen Planen saß gingen diese ständig hoch, weil die Kinder unbedingt den „Mzungu“ (d.h. Weißer) anfassen wollten. Als ebensolcher kam ich in den Genuss einer „Dusche“. Das sind kleine runde Häusschen, in denen man gerade so aufrecht stehen kann. Darin steht eine große Schüssel mit warmem Wasser. Die Tür war in meinem Fall eine Bambusmatte, die man vor den Eingang stellte. Zum Glück hatte ich meine Blechtasse dabei, sodass ich mich tatsächlich duschen konnte. In dieser Situation war das aber ein großer Luxus und daran kann man sich sogar gewöhnen. Das alles führte dazu, dass ich mich nach der Ankunft in der Station fühlte, als wäre ich zwei Wochen weg gewesen – Kulturschock eben. Umso mehr habe ich mich über die gebratenen Nudeln zum Abendessen nach der Rückkehr gefreut. Am Wochenende kochen wir gemeinsam im Team, unter der Woche werden wir abends, wie bereits erwähnt, von unserer Haushälterin bekocht. Mittags in der Woche essen wir gemeinsam mit den Arbeitern in der Großküche. Es ist sehr abwechlungsarm und immer fleischlos, weil Fleisch sehr teuer ist. Selten gibt es mal Fisch. Die Mahlzeiten setzen sich aus Reis mit Bohnen, Reis mit gekochtem Kraut, Fufu mit Bohnen und Fufu mit gekochtem Kraut zusammen. Freitags gibt es immer Bohnen mit Mais und Weißkraut, was echt lecker schmeckt. Durch die mangelnde Abwechslung macht sich auch schnell eine Mangelernährung bemerkbar. Aus dem Grund sind wir angehalten viel Obst zu essen, was uns von den Marktfrauen direkt vor der Haustür verkauft wird. Die Bananen sind hier nur so lang wie ein Daumen, schmecken aber viel intensiver als das, was uns in Deutschland angeboten wird. Das gilt auch für Bananen, Mangos, Orangen, Maracujas, Zitronen, und und und alles ist viel leckerer! Unseren Kaffee bekommen wir direkt von der Plantage; den müssen wir allerdings selber noch rösten und mahlen. Und Milch kriegen wir jeden Morgen direkt von der Kuh. So, das sollen mal ein paar Eindrücke des Lebens hier sein, obwohl man das selbst erlebt haben muss, um es zu verstehen. Und ich weis jetzt schon... wenn ich wieder zu Hause bin, werde ich wieder zurückwollen. Aber bis dahin ist ja noch etwas Zeit... Viele Grüße nach Deutschland aus dem Herzen Afrikas! Volker