Ich versuch mich mal als maschinenbau frischling an der Frage, ob beim Bremsen in der Kurve ABS oder ESP hilft. Generell ist es so, solange ein Auto gradeaus fährt ist alles tutti. Kommt eine Kurve, so wirkt zunächst die Massenträgheit der Kurvenfahrt entgegen. Außerdem wirkt noch eine Fliehkraft und wenn mich nicht alles täusch wirkt auch in geringem Maße die Corioliskraft der vier rotierenden Massen (Reifen, Bremse etc etc.), die einfach ihre Richtnug nicht ändern wollen. Dem entgegen wirkt die die Reibungskraft der Reifen auf dem Asphalt. In normalen Situationen ist das kein Problem um die Kurve zu fahren, ohne dass das Auto dahin fährt wo man nicht möchte. Vorrrausgesetzt natürlich, man ist nicht zu schnell unterwegs. Die Reifen haben immer nur 100% Grip zur Verfügung. Diese müssen aufgeteilt werden, auf die Seitenführungskräfte, das Bremsen und das Beschleunigen (Jede Kreisbewegung bei der man nicht langsamer wird ist eine beschleunigte Bewegung, auch unter Vernachlässigung der Reibung). Bei einer normalen Kurvenfahrt werden sagen wir mal 40% benötigt um die Seitenführungskräfte zu halten. Wird man schneller, so steigt natürlich die Prozentzahl die man für das einfach Kurvenfahren braucht. Angenommen wir fahren um besagte Kurve und benötigen 40% des Grips fürs Kurvenfahren und 10% um unsere momentane Geschwindigkeit zu halten. Kommt nun eine Gefahrensituation die zu einer Vollbremsung führt, fallen natürlich die Beschleunigungskräfte weg, dazu kommt dann aber die Bremskraft. Aufgrund der dynamischen Massenverteilung, die aus der Massenträgheit resultiert, werden die Vorderen Räder stark belastet, was zwar einerseits zu einer größeren Seitenführungskraft vorne führt, andererseit aber den Anpressdruck auf die Straße und damit die Reibung sehr Stark erhöht. Die vorderen Räder sind also in der Lage stärker zu bremsen, als die hinteren und können auch mehr Seitenführungskräfte aufnehmen. Das Heck wird entlastet dabei, also sinken hier die übertragbaren Kräfte zur Straße und damit der Grip des Rades, aber auch die Seitenführungskräfte sinken. Natürlich werden die Kurvenäußeren Räder beider Achsen stärker belastet als die Kurveninneren. Nun gehen wir davon aus, dass aufgrund all dieser Kräfte ein Rad den Grip verliert und blockiert (Nur ein drehendes Rad kann wirksam Kräfte übertragen, da es sonst keine Haftreibung, sondern eine Gleitreibung hat, die vielfach geringer ist). Dann ist das solange nicht schlimm, wie das andere Rad an selber Achse die zusätzlichen Kräfte aufnehmen kann. Kann es dies nicht, und das ist relativ wahrscheinlich, so wird der Wagen an einer Achse den Grip gänzlich verlieren und Ausbrechen. Ein geübter Fahrer kann durch reduzieren der Bremskraft und/oder reduzieren des Lenkwinkels das Fahrzeug wieder fangen. Wird das ganze mit einem ABS Fahrzeug durchgeführt, so merkt das ABS, dass ein Rad überbremst ist und reduziert den Bremsdruck an diesem Rad. Das Rad dreht sich also weiter und kann wirksam Kräfte auf die Straße übertragen. Die Seitenführungskraft bleibt erhalten und das Fahrzeug bricht nicht aus. Dies gilt sowohl an Vorder- als auch Hinterachse. D.h. auch ein E30 Abs, das hinten nur ein ABS Kreis hat, wohl aber pro rad einen ABS Sensor, kann effektiv ein Ausbrechen des Hecks verhindern, wenn es auf das blockierende Rad reagiert und beide Hinterräder schwächer abbremst. Dies erzielt zwar nicht die Maximale Bremsleistung, weil das andere Rad auch weniger Stark bremst, sichert andererseits aber auch wieder eine minimale Grip Reserve zu, weil ein Rad nicht am Maximum belastet wird. Der Bremswegunterschied zwischen beiden Hinterrädern getrennt und zusammenregeln wird wohl minimal sein, da die größte Bremskraft über die Vorderachse übertragen wird (ich vermute mal in einer Gefahrenbremsung vermutlich ca 80%). Warum ist nun also nicht das ESP für das Spurhalten in dieser Situation zuständig? Das ESP funktioniert über den ABS Kreislauf, dass ist richtig, allerdings per definition genau anderstrum als das ABS. Das ESP bremst ein Rad welches aufgrund zuvieler Leistung (Beschleunigung) den Grip verliert. ABS lockert die Bremse wenn ein Rad aufgrund zu großer Bremskraft den Grip verliert.