Guter thread, hier! Meine Meinung: Es wäre gut, wenn die Arbeitsplätze bei Opel erhalten werden können und drücke allen Opelanern kräftig die Daumen. Aber man sollte immer auch den Blick auf die ganze Branche werfen. VW, Mercedes und BMW stehen und wohl auch Ford Deutschland/Europa stehen im Moment zwar noch besser da, aber wie lange noch? Und bei vielen Zulieferern sieht's heute schon mindestens so kritisch aus wie bei Opel. Ich kenne einige Leute, die bei Zulieferern arbeiten und auch heftig Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Jedenfalls kann man jetzt nicht bei Opel massiv mit Steuergeldern reingehen, weil kein Mensch weiß, wo es in einem halben Jahr in der Wirtschaft noch überall brennen wird. Und: es gibt ja auch noch andere angeschlagene Branchen. Die Werften oder der Maschinenbau oder wer auch immer hätte in der Krise sicher auch gern Staatsknete, aber: Wer soll das alles bezahlen? Vielleicht unsere Kinder und Enkel mit Einkommensteuersätzen von 60 oder 70%? Staatshilfen für Opel? Nur im Fall einer Herauslösung aus GM, nur bei einem nachvollziehbaren Geschäftsmodell und nur als staatliche Bürgschaft, aber AUF KEINEN FALL als Staatsbeteiligung. VEB's haben auch schon früher nicht funktioniert. Und wie gesagt. Wer soll das bezahlen? Hauptproblem wäre wohl die Entflechtung von GM und Opel. Um die Erfolgschancen beurteilen zu können, müsste man die konzerninternen Lieferbeziehungen usw. kennen. Sicher sehr schwierig. Nachvollziehbares Geschäftsmodell: Wie hier schon völlig richtig geschrieben wurde, müsste die Modellpalette endlich wieder mehr Charakter bekommen. Die Verwässerung der früheren Charaktertypen (Kadett, Rekord, Manta, Ascona) hat ja schon vor dem Aussterben dieser Namen angefangen - wenn man z.B. die letzte Rekord-Generation mit den Vorgängern vergleicht. Von mir aus kann ein Modell auch einen Kunstnamen wie EOS oder Insignia haben, wenn es keine gesichtslose Mühle ist. Der erste TWINGO war ja z.B. auch ein Charaktertyp, leider hat Renault das mit dem Nachfolger nicht fortgesetzt. Aber das sind jetzt schon wieder eher Geschmacksfragen. Auf keinen Fall sollten BMW und/oder Daimler bei Opel einsteigen. Die haben sich ja beide schon mal an einem angeschlagenen Massenhersteller die Finger verbrannt, weil sie von dem Geschäft halt nichts verstehen . Eine wechselseitige (nicht zu enge) Kooperation von BMW und Mercedes würde von deren Kunden wahrscheinlich eher akzeptiert, auch wenn mancher BMW- oder Mercedesfahrer bei dem Gedanken heute noch aufheult. Aber ich glaube, letztlich würden zum Beispiel Benze mit BMW-Motoren oder andere eher unauffällige "Synergien" von den Kunden akzeptiert, ist ja schließlich alles "Premium" . Für Opel fände ich es sinnvoller, den kompletten europäischen GM-Teil von der amerikanischen Mutter abzuspalten, also auch die Werke in Spanien, Belgien, England (Vauxhall) usw. Nur so kann Opel die kritische Größe erreichen. Warum sollte ein solcher Konzern nicht alleine überleben können? Saab ist wohl so oder so verloren, ob als mögliche Opel-Tochter oder im Alleingang. Die früheren Saab-Kunden wollen halt keine GM-Massenware, auf die nur ein Saab-Logo draufgeklebt wird. Saab ist für mich noch viel mehr als Opel ein Beispiel dafür, wie ein Großkonzern eine gute alte Marke mit Charakter kaputtmachen kann. Deshalb ist Saab auch nicht 2009 gestorben, sondern in Wirklichkeit schon 1993, als der letzte echte Saab 900 durch einen Vectra mit Saab-Karosse ersetzt wurde . Ja, ich geb's zu, ich war früher ein großer Saab-Fan und würde mir auch jetzt sofort einen gut erhaltenen 80er Jahre 900er Turbo wegstellen, wenn ich zu viel Kohle und Platz hätte. Was müsste sich ändern, damit ich mir einen Opel kaufen würde? Mich könnten sie am ehesten mit einem Nischenmodell wie mit einem würdigen Nachfolger des "wahren" GT kriegen (nicht mit dem "neuen" GT, das is ja ein Pontiac) und bei den Volumenmodellen halt mit einer anderen Designlinie. Bei den meisten Herstellern muss man wohl mal die Frage stellen, welchen Sinn ständig neue Nischenmodelle und "Crossovers" haben. Wer braucht einen X6 oder eine R-Klasse? Und warum muss man SUV's oder Cabrios in mindestens drei Größen im Programm haben? (Warum überhaupt SUVs? Diese Edeltrecker werden zu 98% im Stadtverkehr gefahren, wo sie kein Mensch wirklich braucht. Wenn die Krise dem SUV-Wahn ein Ende setzt, hätte sie wenigstens ein gutes Werk getan ).Wie auch immer die Krise ausgeht, die deutsche Autoindustrie wird nicht aussterben. Zur Zeit liest man ja in der Presse schon Abgesänge auf das Auto. Völliger Schwachsinn. In zehn Jahren wird es sicher in Deutschland weniger Arbeitsplätze in der Branche geben als heute und wahrscheinlich auch weniger selbständige Autokonzerne. Ich hoffe, dass dass Opel dann als Marke noch besteht. Und die anderen natürlich auch.