Um mal was vermeintlich Konstruktives beizutragen zu der Thematik an sich: Vorwort 1: mir persönlich sind die ganzen genannten Bands egal. Die momentane Debatte ist nur ein bischen history repeating, die Paralellen zu den BO sind da ja durchaus vorhanden. Ich habe die nie gemocht, aber dank meines ehemaligen Umfeldes bin ich recht gut vertraut mit deren Werken. Ebenso bin ich politisch keiner Richtung verpflichtet. Jedes System, egal, ob weltlich oder kirchlich dient letztendlich doch nur der Vorteilnahme Weniger auf Kosten der Masse. Vorwort 2: mein Post @ Dr. Martens Beat sollte eigentlich mit einem Augenzwinkern aufgefasst werden, nach dem die gefühlvolle Seite der BO gerade so gelobt wurde. Nicht mehr. Das "reflexartige Verhalten", wie es genannt wurde, zeigten dann doch mehr die vermeintlich auf den Schlips getretenen BO Fans. Ich gebe aber zu, das meine Eulenspiegeleien oft nicht erkannt werden, das ist mir jetzt nicht fremd. Vorwort 3: ich habe mir die Mühe gemacht, die offizielle BO Seite, sowie andere Quellen im Netz zu lesen. Also das, was vermutlich in dieser oder ähnlicher Form die Vorposter auch gemacht haben. Da das Thema vielschichtig ist, muß man da etwas weiter ausholen. Vorwort 4: ich will hier nichts beweisen oder Ähnliches. Jeder mag seine Meinung haben. Ich schildere lediglich meine, bzw. eine zeitgenössische Sichtweise. Und das hätte ich mir normalerweise auch verkniffen, wenn es hier nicht Leute gäbe, die schon im Laufstall in der Rockszene drin steckten. Also dann: Ich bin mal so frei und fange mit der Skinhead-Bewegung an, da diese für normale Leute eher rechts besetzt, waren die Ursprünge doch unpolitisch. Es gab farbige Skins und es wurde Etliches an Musikstilen gehört, sogar Reggae. Anfänglich war die Trennung der "Szenen" Skin/Punk oder wie auch immer noch nicht so stark ausgeprägt. Der uniforme (und vielleicht bedrohliche) Look wurde dann von Rechten für sich vereinnahmt. Zeitlich sehe ich den Anfang hier in D zu Beginn 80er. Als Jugendlicher, der Mitte der 80er seine ersten Abenteuer erlebte, war Skinhead-Sein zumindest hier in Saarbrücken zum überwiegenden Teil rechts besetzt. Musikalisch gehörten da die BO klar dazu. Die waren da auch noch nicht so salonfähig, wie in späteren Jahren. Die Wahrnehmung war da eine völlig andere. Natürlich gab es damals auch viele Leute, die waren heute Punk, morgen Skin und übermorgen wieder etwas Anderes. Da also eine wirkliche Überzeugung rauszulesen, war schwierig und bei jungen Leuten vielleicht auch gar nicht möglich. Punks mit Hakenkreuzen konnte man schon mal sehen, Provokation war natürlich alles. Unter dieser Prämisse kann man den Gesinnungswandel der BO sehen. Wenn man dies möchte. Für mich und viele andere Andere waren die gesetzt als rechts und die Abkehr hatte ebenso auch einen faden Beigeschmack, aber das mag ich eigentlich nicht bewerten hier, is ja auch schon ein bischen her. Nur als Beispiel sei aber mal die Band Vortex genannt, die bei einem recht ähnlichen Background doch glaubwürdiger einen Schnitt geschafft hat (in meinen Augen). Wenn wir dann Endachziger/ Anfang 90er nehmen, da war das schon wieder etwas anders. Punk war vielleicht noch nicht 100%ig tot, aber er roch doch schon ganz schön danach. Viele Skinheads (umgangssprachlich verunglimpft als Döner-Skins ) waren S.H.A.R.P. oder einer sonstigen Spielart angehörig, die klar Stellung gegen den Rassismus bezogen, die Strukturen waren klarer getrennt. Da sehe ich auch den Punkt, wo die BO dann so langsam in die Richtung kamen, wie man sie scheinbar noch heute sieht. Das Zeitfenster ist hier also recht klein (für mich), irgendwo zwischen 3-5 Jahren, wo da der vermeintliche Wandel vollzogen wurde. Wenn man also jetzt den Faden weiter spinnt, dann hat man also eine deutsche Rockband (mit leicht anrüchiger Vitae), die deutsche Texte singt. Das mag in dieser Form auf die eine oder andere auch heute zutreffen, klar. Nun den Schluß zu ziehen, jeder der deutschen Rock mag, sei ein Rechter, ist natürlich augenscheinlich Blödsinn. Ich weiß auch nicht, warum jeder empört hier diese Frage aufwirft. Der Umkehrschluß ist vielmehr, das sich diverse Bands in rechten Kreisen an einiger Beliebtheit erfreuen, weil die deutsche Sprache und der Inhalt der Texte in deren Beuteschema passen. Anderes Beispiel: Lonsdale ist sicherlich auch kein rechtes Label, es wird aber aufgrund der Popularität in diesen Kreisen so wahrgenommen. Das heißt also lediglich, das hier eine wenig differenzierte öffentliche Wahrnehmung vorliegt. Dieser wird dann natürlich auch in populistischen Aktionen Rechnung getragen, ohne Frage. Auch tut sich "der Deutsche" schwer mit den Begrifflichkeiten Patriotismus und Nationalismus. Die Unterschiede sind da fließend oder nicht vorhanden. Wobei sich dann da der Kreis schließt zum ursprünglichen Topic und man sich weder von links, noch rechts, noch von den dazugehörigen Medien vor den Karren spannen lassen sollte. Im Endeffekt reagiert man ja hier auch mit der gewollten Empörung, lediglich aus einem 180 Grad veränderten Blickwinkel. Da sollte man sich nicht von den Massenmedien zu sehr beeinflussen lassen, es gab ja auch Quellen, die sich kritisch und neutral mit der Sache auseinandergesetzt haben. Und ich persönlich gebe auf eine Echo-Nominierung nichts bis gar nichts, da würde ich jetzt nicht drüber in Wallung kommen. In diesem Sinne Oi Oi Oi