Es stimmt schon - die Integration der Heimatvertriebenen nach dem Krieg war schwieriger als viele heute denken. Alleine schon Heirat mit Westdeutschen war damals vielerorts ein ungeheuerliches Tabu. Dennoch ist in der wirklich wahren Realität Flüchtling nicht gleich Flüchtling. Wenn statt der Syrer, Afghanen etc. nun Engländer, Holländer oder Österreicher einwandern würden, wäre die Situation eine ganz andere. Kein Mensch würde ernsthaft deswegen rechts wählen oder gar ne Bude anzünden, eben weil diese Leute aus unserem mitteleuropäischen Kulturkreis kommen, also nicht wirklich "fremd" sind. Die Integration der aktuellen Flüchtlinge sehen ich als hochproblematisch an, erstens, weil sich nicht jeder integrieren will und zweitens, weil natürlich viel zu wenige Integrationshelfer vorhanden sind, meist klappt das nur (wie bei uns) dezentral auf dem Dorf. Wo mir jedes Verständnis fehlt, ist die Verharmlosung und Schönrederei der realen Probleme in den Großunterkünften. In den Städten in meiner Nähe (und nicht nur dort) sind ja Polizeieinsätze an der Tagesordnung (die Medien berichten bei uns fast gar nicht darüber - wohl aus politischen Gründen). Solche Übergriffe sind nicht zu entschuldigen. Wenn viele Menschen auf engem Raum zugegen sind, muß nicht zwangsläufig Gewalt und Kriminalität ausbrechen - das ist nicht zuviel verlangt. Für die EU ist die aktuelle Situation nach meiner Überzeugung der Anfang vom Ende einer Utopie. Jetzt zeigt sich, daß bei realen Problemen für die Mitglieder (außer D.) nur noch die eigenen Interessen zählen. Solidarität sieht für viele Staaten so aus, daß finanzielle Mittel gerne von Brüssel genommen werden, aber wenn es ernst wird, nichts gegeben werden soll. Die Aufnahme der Flüchtlinge wäre wesentlich entspannter, wenn die Verteilung innerhalb der EU funktionieren würde. Hier muß es entweder zu finanziellen Sanktionen kommen, oder die Außengrenzen abgeriegelt werden, was natürlich nicht funktioniert, es sei denn, man will die Leute vor irgendeinem Zaun verhungern oder erfrieren lassen. Wie gesagt, der wie auch immer geartete Zerfall der EU scheint nicht mehr fern - die Flüchtlinge sind nur Auslöser, die eigentlichen Ursachen liegen aber tiefer. Und leider fördert die planlose Politik der Bundeskanzlerin rechte Gruppierungen, das ist Fakt.